Vernunft bewahren!
Am 3. Mai 2010 präsentierte die neu gegründete jüdische, israelkritische Organisation „European Jewish Call For Reason“, kurz „JCall“ ihren Aufruf „Appell an die Vernunft“ im Europaparlament. JCall ließ dieses Papier als Online-Petition in sechs verschiedene Sprachen ins Netz stellen. JCall - schon der Name verweist auf das amerikanische Vorbild J-Street.
Ihr Aufruf warnt die Juden in aller Welt, sich mit der israelischen Regierung zu identifizieren und fordert die Europäische Union und die USA dazu auf, im Nahostkonflikt „Druck auf beide Parteien“ auszuüben, um eine „schnelle Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erreichen.“ Schließlich sei Israels Gefährdung von außen „nicht die einzige Gefahr. Eine Gefährdung liegt auch in der Besatzung und in dem Auf- und Ausbau der Siedlungen im Westjordanland und in den arabischen Vierteln Ost-Jerusalems.“
Dieser Aufruf wird von prominenten Juden, darunter Bernard Henri-Levy, Alain Finkielkraut, Daniel Cohn-Bendit, Ze’ev Sternhell, Avi Primor und Elie Barnavi, den früheren israelischen Botschaftern in Deutschland und Frankreich, sowie von David Hirsh, dem Betreiber des britischen Netzwerks „Engage“ unterstützt. Von den offiziellen jüdischen Repräsentanten hat bisher allein Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Petition unterschrieben.
Wenige Tage später gingen andere jüdische und nicht-jüdische Intellektuelle, darunter Pierre-André Taguieff, Shmuel Trigano und Richard Landes mit ihrem Gegenaufruf „Vernunft bewahren“ an die Öffentlichkeit. Sie kritisieren darin die „Voreingenommenheit und „Parteilichkeit“ des erstgenannten Appells und werfen dessen Unterzeichnern vor, über die tatsächlichen Bedrohungen, denen sich Israel ausgesetzt sieht zu schweigen.
SPME Austria und SPME Germany teilen diese Kritik. Es geht der iranischen Führung, wie auch der Hisbollah und der Hamas nicht um eine Änderung der israelischen Politik, sondern um eine Beseitigung des jüdischen Staats. Die Anerkennung dieser Bedrohungslage ist nach unserer Überzeugung Voraussetzung für jede vernünftige Diskussion und auch Voraussetzung für Kritik an Maßnahmen der israelischen Regierung.
Wir veröffentlichen die von Frau Dr. Lisl Strzelewicz ins Deutsche übertragene Gegenpetition „Vernünftig bleiben!“ in der Hoffnung, dass sie dazu beiträgt, die notwendige Debatte nicht auf Basis von Wunschdenken, sondern auf Basis gesicherten Wissens zu führen.
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Vernunft bewahren!
Eine Gruppe von Intellektuellen und von Persönlichkeiten, die sich ostentativ auf ihre jüdische Zugehörigkeit als Garantie ihrer Objektivität berufen, haben die selektive Initiative eines « Appells an die Vernunft » ergriffen, für den sie die größtmögliche Verbreitung absichern wollen. In Wirklichkeit widerspricht dieser Appell seinen erklärten Zielen: Demokratie, Moral, Solidarität der Diaspora, Sorge um Israels Schicksal. Die politische Offensive, die dem Appell zugrunde liegt, ist jedermann klar.
- Die Idee eines dem Staat Israel unter Druck aufgezwungenen Friedens, ja sogar einer Intervention von Mächten, ist eine Absage an Demokratie und internationales Recht, mit dem Geruch von Neo-Kolonialismus. Sie verspottet die freie Wahl der Bürger der Israelischen Demokratie und stellt einen gefährlichen Präzedenzfall für alle anderen Demokratien dar.
- Sie stützt sich auf einen amerikanischen Präsidenten, der dabei versagt, der tödlichen iranischen Herausforderung die Stirn zu bieten und auf eine Europäische Union, die sich global mit der palästinensischen Sache identifiziert hat. Israel sieht sich mit der Bedrohung seiner Existenz durch die islamische Republik Iran und ihrer Satelliten (Hizbollah im Norden, Hamas im Süden) konfrontiert
- Während die oben genannten Unterzeichner die Verantwortung für die Sackgasse allein Israel zuschreiben, zeigen alle objektiven Untersuchungen, dass weder die palästinensische Führung noch die palästinensische Gesellschaft wirklich an einem gerechten Frieden interessiert ist: 66,7% dieser Bevölkerung verwerfen die Entstehung eines palästinensischen Staates auf der Basis der Grenzen von 1967, 77,4 % verwerfen die Idee, dass Jerusalem die Hauptstadt beider Staaten werde (Befragung April 2010 durch die Al Najah Universität von Nablus). Die Entstehung eines palästinensischen Staates ohne den bestätigten Friedenswillen der gesamten arabischen Welt würde das winzige Territorium Israels einer tödlichen strategischen Schwäche aussetzen.
- Der «Appell an die Vernunft» leidet unter Amnesie: Die Osloer Verträge haben zu einer beispiellosen Terrorwelle geführt und der Rückzug aus dem Libanon zur Stationierung der Hisbollah - die diesbezüglichen Garantien des Sicherheitsrates haben sich als wirkungslos erwiesen. Der Rückzug aus dem Gazastreifen ermöglichte den Staatsstreich der Hamas. Seit mehreren Jahren ist die Zivilbevölkerung im Süden Israels einem Raketen-Regen ausgesetzt. Werden «Ost-Jerusalem» und der Palästina-Staat morgen unter der Herrschaft der Hamas stehen? Ein Bedauern der Unterzeichner nützt dann nichts mehr...
- Moral und Ehre, der Wille zum Frieden - sie sind nicht das Privileg irgendeines Lagers. Sie stehen jeden Augenblick neu auf dem Spiel. Aufgrund seiner voreingenommenen und parteiischen Motivationen trägt der „Appell zur Vernunft“ zu den Versuchen bei, Israel zu boykottieren und zu delegitimieren, und fügt seiner Bevölkerung ernsthaften Schaden zu.
- Wir wollen angesichts der tatsächlichen Bedrohungen, denen sich Israel sogar in existenzieller Hinsicht ausgesetzt sieht und die die Chancen eines dauerhaften Frieden im Mittleren Osten kompromittieren, im Zentrum Europas, dessen Bürger wir sind, eine wirklich vermittelnde Meinungsbildung in Gang setzen; eine Meinungsbildung, die sich vornimmt, die Legitimität des Staates Israel im Rahmen eines echten Friedens zu verteidigen und zu veranschaulichen, sowie gegen den Antisemitismus zu kämpfen, der gefährliche Ausmaße annimmt.
Wir rufen Sie auf, möglichst zahlreich diese Erklärung zu unterschreiben
Erstunterzeichner:
Jean Pierre Bensimon, professeur de sciences sociales, Raphaël Draï, professeur de sciences politiques et de droit, Judith Gachnochi, psychologue, Georges Gachnochi, psychiatre-psychanalyste, Nicolas Nahum, architecte, Georges Elia Sarfati, professeur des universités, linguiste et philosophe, Perrine Simon Nahum, chercheur au CNRS, historienne, Pierre-André Taguieff, directeur de recherche au CNRS, philosophe, politologue et historien des idées, Michèle Tribalat, démographe, Shmuel Trigano, professeur de sociologie politique, directeur de la revue "Controverses".
Zur Unterschrift:
http://www.dialexis.org/php/index.php
Rechts oben: Petition unterschreiben; es öffnet sich ein Fenster:
Name, Vorname und Mailadresse obligatorisch (Letztere wird nicht aufscheinen)
Rechts unten können Sie die Unterschriften-Liste einsehen