"EIN EINZELNER FORSCHER KANN NICHTS ERREICHEN"- BAYREUTHER BIOCHEMIKER ARBEITEN SEIT 25 JAHREN MIT PREISTRäGERN ZUSAMMEN. FORSCHUNG IST ARBEITSTEILUNG
Professor Sprinzl, was verbindet Sie und die Universität Bayreuth mit der frisch gebackenen Nobelpreisträgerin für Chemie, Ada Jonath aus Israel?
Ziemlich genau 25 Jahre gemeinsamen Forschens. Ada Jonath und die von mir geleitete Arbeitsgruppe in Bayreuth standen immer in engem Kontakt. Zuletzt haben wir uns im Mai getroffen, um weitere Forschungen abzusprechen.
Worum geht es bei diesen Forschungen?
Wir beschäftigen uns mit der Umsetzung der in den Chromosomen gespeicherten Informationen. Die geschieht durch Proteine, also Eiweiß-Verbindungen. Gebildet werden sie in den Ribosomen. Ada Jonath hat den Nobelpreis dafür bekommen, dass sie genau zeigen konnte, wie diese Ribosomen aufgebaut sind. Unser Thema in Bayreuth sind hingegen die chemischen Vorgänge bei der Übersetzung der DNA.
Welche konkrete Bedeutung für den Menschen hat dies?
Eine sehr hohe. Wenn in den Ribosomen Fehler bei der Übersetzung der DNA geschehen, dann sind Krankheiten die Folge. Andererseits kann man mit einem Verständnis der Abläufe auch Heilungschancen schaffen. Zum Beispiel, wenn man es mit Medikamenten, etwa Antibiotika, erreicht, die Ribosomen krank machender Bakterien zu blockieren. Die Forschungen hierzu laufen übrigens schon seit gut 30 Jahren.
Ist es eigentlich die Regel, dass Forschungsgebiete von Wissenschaftlern aus aller Welt arbeitsteilig angegangen werden?
Absolut! Ein einzelner Forscher kann bei solchen komplexen Themen nichts erreichen. Ada Jonath hat den Nobelpreis dafür bekommen, dass sie ihren Aspekt des Forschungsthemas besonders visionär und zielbewusst angegangen ist.
Mit Thomas Steitz von der amerikanischen Yale University hat ein weiterer der drei diesjährigen Nobelpreisträger Kontakte nach Bayreuth.
Im Rahmen des kollegialen Austauschs war er schon drei Mal in Bayreuth, zuletzt bei einem Kongress zur Eiweiß-Biosynthese, den wir im Jahr 2003 hier organisiert haben.
Frauen in der Chemie: Hat das an den Universitäten noch Seltenheitswert?
Nein, da hat sich viel verändert. Wir in Bayreuth haben unter den Studierenden der Biochemie einen hohen Anteil von Frauen, wenn er auch nicht bei 50 Prozent liegt. Allerdings ist es immer noch so, dass es wenige Frauen auf einen leitenden Posten in der Forschung schaffen. In Israel ist die Förderung von Frauen schon seit jeher konsequenter.
Das Gespräch führte Joachim Dankbar.